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Notizen und Gedanken von Andreas Marc Klingler

Schlagwort: Gesellschaft

Diskussionsunfähig

Unsere Gesellschaft ist mittlerweile überwiegend kommunikationsunfähig. Ich erlebe selbst immer öfter Menschen, mit denen man nicht diskutieren kann, weil sie nach einer Aussage A von mir annehmen, ich hätte A/2, B und F gesagt und implizierte damit selbstverständlich auch N, M, P und – ganz schlimm – T.

Bis ich vermittelt habe, dass ich „nur“ A meine und man nie zu große argumentatorische Sprünge machen sollte, weil man sonst unbewiesen alles durch allem herleiten kann, bin ich wieder frustriert. Und natürlich der Depp, denn ich habe ja dann wahrscheinlich etwas zu verbergen und will mich nicht „outen“. Ich muss ja ein ganz schlimmer sein.

Seufz.

Woher kommt das? Unsere Schulbildung ist gefühlt noch stärker Glückssache als früher. Sekundärtugenden werden genauso schon seit jahrzehnten missachtet.  Die Art, wie man etwas sagt, wird immer wichtiger im Vergleich zu dem, was man sagt. Gefühlte Meinung schlägt logische Argumentation. So bauen sich gefühlte Meinungen ein immer umfassenderes Weltbild.

Ich wünsche mir (wieder? keine Ahnung…) eine Zeit, in der man abweichende Meinungen begrüßt und wirklich versucht, diese nachzuvollziehen und einzeln dagegen oder dafür zu argumentieren, ohne gleich den Anfang des Wunder- oder das Ende des Abendlandes heraufzubeschwören. Und immer erstmal das Gute im Menschen zu sehen. Auch wenn man mittlerweile dazu konditioniert worden ist, viele andere Menschen (unbewusst?) zu verachten, die keine Standard-Meinungen vertreteten.

Das führt zu nichts Gutem, wenn wir nur noch korrekt reden, aber uns gegenseitig nicht mehr verstehen.

Zu schneller Wandel

Ich benutze mittlerweile nur noch sehr selten Steckdosen auf Reisen. Mir ist aufgefallen, dass sich da eine Geschichte zu wiederholen scheint:

Erst fordern zunehmend viele Menschen WLAN-Zugang in Cafés und anderen öffentlichen Orte. Bis diese aber halbwegs flächendeckend verfügbar sind (von Deutschland reden wir jetzt mal nicht), hat bereits jeder Smartphones und braucht damit WLAN-Zugänge nicht mehr unbedingt.

Mit den Steckdosen verhält es sich ähnlich. Subjektiv nimmt die Nutzung mit Smartphones ab, weil immer mehr ihre Smartphones über den Rucksack oder die Handtasche mit Akku-Packs laden.

Nett sind solche Angebote natürlich trotzdem. Aber irgendwie schade, dass solche Entwicklung in vielen Ländern immer so enorm lange dauern, dass sie sich selbst überholen.

Hallo! – Guten Tag!

Ich bin gerade in Erlangen/Nürnberg, wo mir wieder deutlich auffällt, wie schön manche Konventionen sind. Zum Beispiel für die Begrüßung und Verabschiedung.

„Eigentlich“ sagt man etwas wie Guten Tag und Auf Wiedersehen zu Fremden. Unter anderem im Rhein-Main-Gebiet ist dies jedoch oft nicht mehr so. Statdessen wird überwiegend Hallo und Tschüss gesagt, und zwar zu Bekannten und Unbekannten gleichermaßen.

Ich hätte prinzipiell kein Problem damit, wenn dies in manchen Regionen generell so wäre. Sprache verändert sich eben, und diese sprachliche Nivelierung spiegelt auch gesellschaftliche Veränderungen wieder. Aber ich empfinde es auch manchmal als „etwas stressig“, nicht zu wissen, wie man Fremde anreden soll.

Sagt man zu einem Kassierer Guten Tag, kommt ein zwanghaftes Hallo zurück. Sagt man nach der Bezahlung Tschüss, kommt ein (Auf) Wiedersehen zurück.
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Unser selbst im Netz

Wer sind wir im digitalen Netz? – Diese hochspannende Frage hatte mich gleich elektrisiert, als ich sie letzte Woche zum ersten Mal gelesen hatte. Das Netz verändert Quantität und Qualität von sozialen Interaktionen, ermöglicht neue Lebensweisen und ein vielfältigeres „Sein“. So wie die digitale Welt immer stärker in unsere natürliche Welt eindringt, gibt es immer stärkere Wechselwirkungen zwischen unserer „realen Identität“ und unseren „virtuellen“ Identitäten (die ich hier schon deswegen in Anführungszeichen setze, weil sie sich (sicherlich nicht nur) für mich nicht (mehr) wirklich so „virtuell“ anfühlen).

Hochspannendes Thema. Gestern war ich auf der vom Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt veranstalteten Podiumsdiskussion über dieses Thema. Aus der Diskussion hätte viel werden können, wenn man Constanze Kurz und Kathrin Passig frei hätte reden und leiten lassen. Stattdessen haben sie (mal wieder) aus der Verteidigungsstellung heraus gegen die schrecklichen Gefahren dieses bösen Internetzes = Facebook argumentieren müssen. Die klugen Gedanken, die dort erwähnt wurden, waren mir bereits geläufig und Sätze wie „Am Internet beteiligte Produzenten wie Twitter“ sagen eigentlich schon genug aus. (Wobei ich nicht erfahren habe, aus welchen Fabrikhallen das Internet denn nun in die weltweite Welt ausgeliefert wird.)

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Durch Übertreibung zur Irrelevanz – Anmerkungen

Auf dem Weg zur Buchmesse in Frankfurt habe ich bei #occupyfrankfurt vorbeigeschaut. Schon als ich die Teilnehmer von weitem sah, habe ich mich sofort erinnert an die vielen traurigen/deprimierenden/ärgerlichen Erfahrungen mit anderen Demonstrationen, Asten und Vereinen, die sich durch ihre Präsentation und Übertreibung schnell in die Lächerlichkeit und damit oft leider auch das relevante Thema nebenbei in die Irrelevanz schoben.

Dieser Beitrag enthält einige Anmerkungen von mir, die in den „allgemeinen“ Beitrag nicht direkt reinpassen.

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Durch Übertreibung zur Irrelevanz – Eine Polemik

Das beste, was Finanzverbrechern und ähnlichen gesellschaftlichen Gruppierungen passieren kann, sind von Fundamentalisten organisierte Proteste. Sie garantieren Wirkungslosigkeit durch die Distanziertheit der breiten Bevölkerung.

Zwar müssen Demonstrationen zuspitzen und übertreiben, um gehört zu werden. Aber auch damit kann man es übertreiben. Wer zu viel auf einmal will, wird nichts davon bekommen.

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Technische Intelligenz

Beim Bahnfahren frage ich mich oft immer wieder auf’s neue, warum eigentlich so viele Leute kein technisches Verständnis haben. Knöpfe an Türen in Zügen funktionieren nicht, wenn die dazugehörigen LEDs aus sind. Egal, wie oft und feste man drückt oder wie laut man dabei über die Bahn flucht. Türen in alten Zügen können erst nach einem Zischen geöffnet werden. Ob der Zug steht oder noch leicht rollt, ist den Türen egal. Ist das denn so schwierig zu verstehen?

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