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Notizen und Gedanken von Andreas Marc Klingler

Kategorie: Gedan­ken

Mul­ti­lin­gua­les Twit­ter

Es wäre so schön, wenn man ohne Hilfs­krü­cken Tweets in meh­re­ren Spra­chen ver­fas­sen könn­te. Ich habe frü­her schon aus Spa­ni­en her­aus pro­biert, Tweets in meh­re­ren Spra­chen zu ver­fas­sen, aber alles funk­tio­niert nicht rich­tig.

  • Set­ze ich für jede Spra­che ein Kon­to auf, ist das zu hoher Auf­wand bei Ein­rich­tung und Pfle­ge. Auf bei­den Sei­ten.
  • Schrei­be ich über einen Benut­zer mehr­spra­chi­ge Tweets, artet es schnell zu Spam für die meis­ten aus.

Ide­al wäre, wenn Benut­zer beim Fol­gen immer auch eine Men­ge von Spra­chen aus­wäh­len könn­ten, in denen die­ser Benut­zer ange­ge­ben hat, auch zu twit­tern. Um dann nur Tweets in den aus­ge­wähl­ten Spra­chen zu erhal­ten. Auf der Ein­ga­be­sei­te gäbe es je Spra­che einen Tweet-Dia­log und man kann ent­schei­den, ob man nur in einer oder meh­re­ren Spra­chen den Tweet direkt rein­tippt.

Lei­der hat so etwas ja mei­nes Wis­sens bis­her auch kein alter­na­tiv-gehyp­ter Dienst rea­li­siert. Und wenn so eine Funk­tio­na­li­tät nicht fest ein­ge­baut wäre, son­dern von Benu­zern nach­träg­lich hin­zu­ge­fügt wer­den müss­te, wür­de das wahr­schein­lich auch nicht benut­zer­freund­lich funk­tio­nie­ren. Egal, wie offen die Platt­form dann wäre.

Scha­de. Wahr­schein­lich wird so etwas auch nie rea­li­siert, weil sol­che Platt­for­men bis­her immer im mono­lin­gua­lem Umfeld ent­stan­den sind.

Dis­kus­si­ons­un­fä­hig

Unse­re Gesell­schaft ist mitt­ler­wei­le über­wie­gend kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­fä­hig. Ich erle­be selbst immer öfter Men­schen, mit denen man nicht dis­ku­tie­ren kann, weil sie nach einer Aus­sa­ge A von mir anneh­men, ich hät­te A/2, B und F gesagt und impli­zier­te damit selbst­ver­ständ­lich auch N, M, P und — ganz schlimm — T.

Bis ich ver­mit­telt habe, dass ich „nur” A mei­ne und man nie zu gro­ße argu­men­ta­to­ri­sche Sprün­ge machen soll­te, weil man sonst unbe­wie­sen alles durch allem her­lei­ten kann, bin ich wie­der frus­triert. Und natür­lich der Depp, denn ich habe ja dann wahr­schein­lich etwas zu ver­ber­gen und will mich nicht „outen”. Ich muss ja ein ganz schlim­mer sein.

Seufz.

Woher kommt das? Unse­re Schul­bil­dung ist gefühlt noch stär­ker Glücks­sa­che als frü­her. Sekun­där­tu­gen­den wer­den genau­so schon seit jahr­zehn­ten miss­ach­tet.  Die Art, wie man etwas sagt, wird immer wich­ti­ger im Ver­gleich zu dem, was man sagt. Gefühl­te Mei­nung schlägt logi­sche Argu­men­ta­ti­on. So bau­en sich gefühl­te Mei­nun­gen ein immer umfas­sen­de­res Welt­bild.

Ich wün­sche mir (wie­der? kei­ne Ahnung…) eine Zeit, in der man abwei­chen­de Mei­nun­gen begrüßt und wirk­lich ver­sucht, die­se nach­zu­voll­zie­hen und ein­zeln dage­gen oder dafür zu argu­men­tie­ren, ohne gleich den Anfang des Wun­der- oder das Ende des Abend­lan­des her­auf­zu­be­schwö­ren. Und immer erst­mal das Gute im Men­schen zu sehen. Auch wenn man mitt­ler­wei­le dazu kon­di­tio­niert wor­den ist, vie­le ande­re Men­schen (unbe­wusst?) zu ver­ach­ten, die kei­ne Stan­dard-Mei­nun­gen ver­tre­te­ten.

Das führt zu nichts Gutem, wenn wir nur noch kor­rekt reden, aber uns gegen­sei­tig nicht mehr ver­ste­hen.

safe­ty und secu­ri­ty auf Deutsch: geht doch, wenn man will

In diver­sen IT-Sicher­heits­ver­an­stal­tun­gen wird der deut­sche Begriff „Sicher­heit” oft in secu­ri­ty und safe­ty auf­ge­spal­ten. Die Auf­spal­tung von Begrif­fen zur genaue­ren Behand­lung ist in der Wis­sen­schaft gän­gi­ge Pra­xis und völ­lig rich­tig und nor­mal.

Aber gera­de bei die­sem Begriffs­paar habe ich jetzt schon eini­ge Kla­gen (auch von Dozen­ten) dar­über gehört, dass man die eng­li­schen Begrif­fe hier ver­wen­den müs­se, da das deut­sche Wort Sicher­heit zu all­ge­mein sei.

Ja, aber was hat man da wohl frü­her gemacht? Spra­che ent­wi­ckelt sich. Sie ent­wi­ckelt sich aber auch nur, wenn sich Men­schen wenigs­tens min­i­n­i­mal Mühe geben um zu über­le­gen, wie man einen Sach­ver­halt pas­send über­tra­gen kann, und nicht sofort kapi­tu­lie­ren und neue Dif­fe­ren­zie­run­gen nur noch in einer ande­ren Spra­che aus­drü­cken. Vie­le machen es sich da mei­ner Mei­nung nach zu bequem.

Ich bin nach eini­gen Minu­ten des Über­le­gens da auch erst­mal auf kei­ne guten Begrif­fe für secu­ri­ty und safe­ty gekom­men, aber in der Wiki­pe­dia bin ich dann fün­dig gewor­den: Angriffs­si­cher­heit (secu­ri­ty) und Betriebs­si­cher­heit (safe­ty). Wun­der­bar. Das sind kla­re Bezeich­nun­gen, die für sich selbst spre­chen, prä­gnant sind und sogar auch Lai­en Anhalts­punk­te für die Dif­fe­ren­zie­rung bie­ten.

Ich wün­sche mir, dass sich auch ande­re in sol­chen Fäl­len wenigs­tens eini­ge Minu­ten Gedan­ken dar­über machen, bevor sie gedan­ken­los nur noch frem­de Wör­ter über­tra­gen. Wenn man nichts fin­det, ist das ja völ­lig in Ord­nung.

Zeit ist mitt­ler­weile oft teu­rer als Geld.