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Notizen und Gedanken von Andreas Marc Klingler

Tech­ni­sche Intel­li­genz

Beim Bahn­fah­ren fra­ge ich mich oft immer wie­der auf’s neue, war­um eigent­lich so vie­le Leu­te kein tech­ni­sches Ver­ständ­nis haben. Knöp­fe an Türen in Zügen funk­tio­nie­ren nicht, wenn die dazu­ge­hö­ri­gen LEDs aus sind. Egal, wie oft und fes­te man drückt oder wie laut man dabei über die Bahn flucht. Türen in alten Zügen kön­nen erst nach einem Zischen geöff­net wer­den. Ob der Zug steht oder noch leicht rollt, ist den Türen egal. Ist das denn so schwie­rig zu ver­ste­hen?

Anschei­nend schon.

Etwas ähn­li­ches beob­ach­te ich manch­mal — wenn auch nicht so oft wie obi­ge Bei­spie­le — an Fuß­gän­ger­am­peln. Dass ein Signal durch Betä­ti­gung eines Tas­ters oder eine berüh­rungs­sen­si­ti­ven Flä­che von Null auf Eins wech­selt und die Eins dabei auch bei mehr­fa­chem Drü­cken nicht „Ein­si­ger” (?) wird und die Ampel dann schnel­ler umschal­tet, ist schein­bar nicht all­ge­mein bekannt.

Dass hin­ge­gen die Kon­takt­flä­chen für Blin­de oft ver­geb­lich gedrückt wer­den, weil sie für Ampel­tas­ter gehal­ten wer­den, fin­de ich zwar auch amü­sant, kann es aber noch eher ver­ste­hen. Vom Design her sind sie vie­len Ampel­tas­tern ein­fach zu ähn­lich. Das ist dann wahr­schein­lich tat­säch­lich ein nicht-opti­ma­les Design.

Dabei sind das mei­nes Erach­tens sehr ver­brei­te­te, all­täg­li­che und sehr ein­fa­che Benut­zer­schnitt­stel­len. Dass etli­che Men­schen selbst damit nicht klar­kom­men, fin­de ich erstaun­lich und führt mir vor Augen, dass es fast unmög­lich scheint, intui­ti­ve Benut­zer­schnitt­stel­len für deut­lich kom­ple­xe­re Sys­te­me zu ent­wi­ckeln.

2 Kommentare

  1. Das liegt dar­an, dass die Leu­te von ihren PCs, Smart­pho­nes usw. bereits gewohnt sind, dass sich tech­ni­sche Sys­te­me sel­ten logisch kon­sis­tent ver­hal­ten. Und wenn sie sich doch logisch kon­sis­tent ver­hal­ten, ist meist die Benut­zer­ober­flä­che so unlo­gisch gestal­tet, dass man im End­ef­fekt nie weiß, was genau pas­siert, wenn man wo drückt. Ob es wirk­lich nichts bringt, einen Schal­ter zu mal­trä­tie­ren, wenn man es eilig hat, weiß man eben erst, wenn man es aus­pro­biert hat. Und wenn die Tür sich nicht schnel­ler öff­net, dann hat es doch zumin­dest einen psy­cho­lo­gi­schen Effekt: Man weiß, man hat alles gege­ben, und ein biss­chen abre­agiert hat man sich auch. ;-)

  2. Es spielt bei den Ampeln und z.B. Auf­zü­gen noch ein psy­cho­lo­gi­scher Effekt mit. Die Leu­te drü­cken mehr­mals, nach­dem sie die Geduld ver­lo­ren haben. Und promt wird die Ampel grün, kommt der Auf­zug. Dass das ohne noch­mal drü­cken in der glei­chen Sekun­de pas­siert wäre nimmt das Unter­be­wußt­sein nicht wahr. Selbst wenn die Leu­te ver­ste­hen wie eine Ampel funk­tio­niert, die Beloh­nung fürs mehr­ma­li­ge Drü­cken kommt garan­tiert und kann das theo­re­ti­sche Wis­sen über­steu­ern.

    Post hoc, ergo prop­ter hoc.

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