blog.andreas-klingler.de

Notizen und Gedanken von Andreas Marc Klingler

Über den Umgang mit RSS

Das Inter­net-Nach­rich­ten­for­mat RSS ist vom Prin­zip her ein­fach zu ver­ste­hen: Man abon­niert eine Web­sei­te und bekommt neue Bei­trä­ge in einem Pro­gramm oder Web­dienst sei­ner Wahl ange­zeigt. Der rich­ti­ge Umgang damit macht mei­ner Beob­ach­tung nach jedoch vie­len Pro­ble­me. Wenn man sich aber kei­ne Gedan­ken über die Struk­tur und „Lese­ar­ten” von RSS-Feeds macht, kann es vor­kom­men, dass man für sich kei­nen Nut­zen dar­aus zie­hen kann. Und sich beim Anblick der RSS-Feeds ein Gefühl ein­stellt wie bei 843 unge­le­se­nen E‑Mail-Nach­rich­ten im Post­fach. Aber das muss nicht sein.

Aus­lö­ser für die­sen Arti­kel ist Lukas’ Bei­trag über die Aggre­ga­ti­ons­soft­ware fever. Fever aggre­giert Mel­dun­gen aus einer eige­nen, mög­lichst gro­ßen RSS-Samm­lung und ermög­lichst einen Über­blick über die am stärks­ten dis­ku­tier­ten The­men dar­aus. Sozu­sa­gen Riv­va für den Haus­ge­brauch mit einer eige­nen Aus­wahl an berück­sich­tig­ten Sei­ten. Zudem bie­tet es eini­ge Ord­nungs­funk­tio­nen für Feeds an. Den Sinn hät­te ich vor zwei Jah­ren noch ver­stan­den, aber so pro­blem­los, wie ich RSS mitt­ler­wei­le nut­ze, sehe ich ihn heu­te für mich nicht mehr.

Beim Lesen ist mir aber auch ein­ge­fal­len, dass ich schon öfter Schwie­rig­kei­ten hat­te, ande­re vom Sinn und Nut­zen von RSS zu über­zeu­gen. Oft hör­te ich Aus­sa­gen in der Art „Dafür habe ich aber kei­ne Zeit” oder „Das ist aber alles viel zu viel”. Mitt­ler­wei­le habe ich erkannt, dass RSS wie auch Twit­ter ein Dienst ist, der zwar tech­nisch leicht zu erklä­ren ist, sei­nen vol­len Nut­zen aber erst durch eine bestimm­te Art des Umgangs offen­bart.

Ich selbst habe lan­ge durch Ver­such und Irr­tum einen für mich opti­ma­len Umgang mit RSS erler­nen müs­sen. Her­aus­ge­kom­men sind dabei fol­gen­de Erkennt­nis­se:

  • Ord­ne die Feeds the­ma­tisch in Ord­ner — Ich ver­wal­te mei­ne Feeds aktu­ell in 18 Ord­nern, die Feeds aus jeweils einem Inter­es­sen­ge­biet beinhal­ten. Dadurch wird es viel über­sicht­li­cher und ermög­lichst vor allem fol­gen­des:
  • Prio­ri­sie­re und grup­pie­re die Ord­ner — Ich lese fast nie an einem Stück alle neu­en Bei­trä­ge, son­dern wäh­le je nach Nut­zungs­kon­text bestimm­te Ord­ner­grup­pen aus. Beim Früh­stück lese ich Global‑, Natio­nal- und Lokal­nach­rich­ten als ers­tes, gefolgt von Aggre­ga­to­ren­fund­stü­cken (über Riv­va und buz­z­ly) und wei­te­ren Gebie­ten. Unter­wegs in Bus­sen und Bah­nen lese ich oft den Comic-und-Humor-Ord­ner und ver­schie­de­ne the­men­spe­zi­fi­sche Ord­ner.
    Die Feeds mit der höchs­ten Publi­ka­ti­ons­fre­quenz über­flie­ge ich dabei immer beim Früh­stück, sodass die meis­ten Bei­trä­ge rela­tiv schnell aus­ge­le­sen bezie­hungs­wei­se über­flo­gen und abge­hakt sind. In die unwich­tigs­ten Ord­ner schaue ich nur gele­gent­lich hin­ein. Nied­rig-prio­ri­sier­te Feeds sind etwa Bei­trä­ge von Open Source-Pro­jek­ten, bei denen man auf dem Lau­fen­den blei­ben will.
  • Umgang mit Feeds mit hoher Publi­ka­ti­ons­fre­quenz — Wenn eine Sei­te täg­lich sehr vie­le neue Inhal­te ver­öf­fent­licht, kann das Ver­fol­gen aller neu­en Bei­trä­ge sehr auf­wen­dig sein. Ich habe zwei Wege gefun­den, um damit umzu­ge­hen: Gar nicht erst abon­nie­ren oder — wenn’s wirk­lich wich­tig ist — sie nur in Kom­pakt­dar­stel­lung (sie­he nächs­ter Punkt) zu lesen.
  • Lese nicht alle Ord­ner gleich — Es gibt min­des­tens zwei Wege, einen Ord­ner mit RSS-Feed zu lesen: Durch Anzei­ge eines kom­plet­ten Feed-Inhalts oder nur der Über­schrif­ten (ich nen­ne das „Kom­pakt­dar­stel­lung”). Letz­te­res ist eine tabel­la­ri­sche Sicht, die in jeder Zei­le nur die Über­schrift anzeigt und dahin­ter je nach ver­füg­ba­rem Platz noch die ers­ten Wor­te oder Sät­ze des Tex­tes. Dadurch habe ich auf mei­nem Moni­tor knapp 30 Arti­kel­über­schrif­ten im Blick und kann sie sehr schnell über­flie­gen. Je nach Feed ist eine Metho­de bes­ser geeig­net als die ande­re. Feeds, die ich fast immer voll­stän­dig lese, las­se ich kom­plett anzei­gen. Feeds, deren Bei­trä­ge mich nur ab und zu inter­es­sie­ren, las­se ich mir in der Kom­pakt­dar­stel­lung anzei­gen.
  • Du musst nicht immer alles lesen — Im Gegen­satz zu E‑Mails kann sich hin­ter einem RSS-Bei­trag nie eine Auf­for­de­rung zu einer Akti­on befin­den. Ich unter­schei­de mitt­ler­wei­le men­tal — zumin­dest bil­de ich mir das ein ;-) — zwi­schen unge­le­se­nen E‑Mail-Nach­rich­ten und unge­le­se­nen RSS-Feeds. Und auf­grund der Prio­ri­sie­rung der Feed-Ord­ner weiß ich auch, dass ich im Zwei­fel nichts für mich rele­van­tes ver­pas­se. Daher habe ich auch kei­ne Pro­ble­me mit Foren-Feeds. Bei Gele­gen­heit schaue ich kurz drü­ber und mar­kie­re schnell alles als gele­sen. Auch wenn ich viel­leicht nur die ers­ten paar dut­zend Bei­trä­ge gele­sen habe. Aber das genügt mir. Ich muss nicht über­all alles lesen.

Es geht aber auch anders: Stän­dig aktiv sind bei mir nur knapp 50% der Feeds. Die ande­ren stam­men von Blogs oder Web­sei­ten, bei denen sich nur sehr sel­ten etwas ändert. Dass ich auch bei sol­chen Sei­ten immer auf dem Lau­fen­den sein kann, ohne jede Woche manu­ell eine lan­ge Lis­te abar­bei­tend über­all vor­bei­schau­en zu müs­sen, ist für mich eine der wich­tigs­ten Funk­tio­nen von RSS. Man kann es auch so machen wie ein Bekann­ter von mir, der sei­nen RSS-Dienst nicht als aktu­el­len Infor­ma­ti­ons­ka­nal nutzt, son­dern nur als Sam­mel­be­cken von ca. 20 ver­schie­de­nen, sich sel­ten ändern­den Sei­ten. Auf den RSS-Dienst greift er spo­ra­disch zu und muss so nicht mehr spo­ra­disch auf ca. 20 ver­schie­de­nen Sei­ten nach­schau­en.

Noch ein Hin­weis zur Prio­ri­sie­rung: Ich prio­ri­sie­re nie mit pro­prie­tä­ren Funk­tio­nen, son­dern nut­ze dafür nur die Bezeich­nun­gen der Feeds und Ord­ner (etwa „I.1 Order­na­me” usw.). Das klappt wohl mit jedem RSS-Pro­gramm oder ‑Dienst.

Das ein­zi­ge „Pro­blem”, das ich der­zeit noch in Bezug auf RSS habe, hat nichts direkt damit zu tun. Ich nut­ze näm­lich der­zeit Goog­le Reader. Lei­der. Es funk­tio­niert zwar alles wun­der­bar, aber möch­te solch einen Dienst auf einem eige­nen Ser­ver betrei­ben, da die aus­ge­wähl­ten RSS-Feeds ja doch schon viel über eine Per­son aus­sa­gen. Lei­der ist mir wei­ter­hin kei­ne (Open Source-) Soft­ware bekannt, über die ich mit einer Web-Ober­flä­che Feeds ver­wal­ten und anzei­gen, und (jetzt kommt das K.O.-Kriterium) auch off­line auf dem iPho­ne genutzt wer­den kann. Falls du so etwas ken­nen soll­test, schreib’ es bit­te in die Kom­men­ta­re.

Wenn dir wei­te­re Tipps dazu ein­fal­len, schreib’ einen Kom­men­tar. (Aber pri­mär ist das hier auch nur ein Ich-brau­che-eine-URL-um-das-nicht-stän­dig-wie­der-neu-erklä­ren-zu-müs­sen :-)

2 Kommentare

  1. Dan­ke für den Bei­trag, hat mich inspi­riert RSS viel­leicht doch noch mal aus­zu­pro­bie­ren. Sah bis­her den Nut­zen nicht, aber eine prio­ri­sier­te Ord­ner­struk­tur ist eine gute Idee!

  2. Schau dir mal rss­lounge an: http://rsslounge.aditu.de/
    Ich selbst benut­ze bis­her das Fire­fox Addon Brief und bin damit auch sehr zufrie­den.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*